Lyrik

Januarkrähen

In meinen Armen
trage ich das Gelb
und pflanze es in Reihen.
Noch ist es tot
doch ich schüttle es
damit es wogt.
Mit einem Pinsel male ich
das Blau in meine Gedanken
schwer fallen die Stunden
aus den Hufen der Zeit.
Das Licht schläft hinter der Decke.
Über kahles Feld hüpfen Zweifel
hinkende Krähen lachen mich aus.
Ich habe ein Pferd gestohlen, schon als Kind
versteckte ich es in meiner Tasche.
Das Licht schläft noch hinter der Decke
doch ich muss es nicht sehen.
Ich halte mein Ohr zu den Stunden
und höre gebannt, wie es rauscht.

 

 

 

Spätsommer

Sie will es noch einmal wissen,
die Spätsommerhitze;
hat ihr rotes Kleid angezogen
und Strümpfe aus Spinnwebenspitze.

Sie will die Sonne noch halten
mit goldenen Farben;
geborgt von den Wiesen, den hohen
und Feldern mit Strohblumengarben.

Sie ordnet die Blumen beharrlich:
Leuchtende Reihen;
als ob all die Farben des Sommers
wie sie nie verwandelbar seien.

Doch manchmal des Nachts ruft ein Vogel
mit leiser und rauer
Stimme aus tiefdunklem Walde –
dann packt sie ein silberner Schauer.

Doch kaum kommt der Morgen, verglüht sie,
die Ahnung, und weicht –
sie will noch ein klein wenig tanzen,
bis der Herbstwind die Hände ihr reicht.

Nominierung art.experience 2013, Veröffentlichung in der Broschüre Meerbusch

Oktober

das Haus riecht fremd
die Heizung war zu lange kalt
die Luft beißt dir
wie grobes Holz in deine Hand
halte still
jetzt wird der Sommer alt
tanzen keine Schatten
mehr an deiner Wand
nur das Klappern
alter Fensterläden
tönt durchs Haus
und bewahrt uns vor dem Reden

6.Platz art.experience 2017, Lyrikwettbewerb zeilen.lauf

Kirschbaum

ich stecke dir Kirschen
in deinen Mund
die Sonne mäandert
durch Blätterlücken
hoch sind die Garben
die Erde voll Durst

Holz ist geduldig und wartet
es lacht und es weint nicht.
Öffne den Mund,
denn der Sommer
ist rot
und bald schlafen wir wieder
im Dunklen

(Platzierung beim Forum Land Literaturpreis, Sparte Lyrik, Anthologie „Durst“, 2017 sowie Vortrag der Schauspielerin Julia Stemberger i.R.d. Literaturmatinée Lampalzer Literaturforum 2019)

Taucher

Wäre ich Taucher, ich tauchte in dich
sähe sie schwimmen, geheime Gedanken
stupste an Wünsche,
fütterte Träume
durchsichtig gläserne Quallen
und legte ein seidiges Netz aus Sehnsucht
über deine Korallen

(Veröffentlichung im Lyrikband „Mein wilder Traum gegen die Zeit“, Elif Verlag, 2013)

schlaflos

Meines Tages Müh’ und Lasten
Morpheus Bruder sich entzieht,
je mehr ich sehne um zu rasten
desto unerbittlicher er flieht.

Schwarzer Berg auf meinem Wege,
wie nur schaufel’ ich dich klein?
Wie erwehren der Gespenster
bis der blaue Morgen träge,
leise blickt zum Fenster ´rein.

September

 Du hast wenig Zeit, deshalb leuchtest du hell.
Noch dringt dein Strahlen bis zum Grund.
Im Laufen hebst du die Köpfe der Blumen erneut. Dein
Gelb wird ergraut, doch es flieht nicht das Blau.
Du hast noch viel Kraft. Falten des Lachens
umkränzen dein Licht.
Du bist Optimist; für dich klebt die Sonne
im Tau einer schlummernden Ranke,
verfangen in Zweigen des Birnbaums,
das haben wir gleich.
Alles kann noch geschehen.
Als wäre ich Gast,
stellst du den See
nochmal auf den Herd,
verjagst die Kühle
mit Licht.

verstummt

Früher schrieb ich Gedichte tanzte
Namen in den Himmel
drehte Blüten um
aus Seide
lebte

heute dröhnt die Stille beständig
Worte sind verschwunden
manchmal hebt noch eines
seinen Kopf
und legt ihn
still, wie ein Tier, auf den Boden

Berührung

Du berührst auf deine Weise,
die mit Worten nicht mit Händen
tief ins Innerste vordringt
und so wie ein Tropfen, leise,
der aufs Blatt fällt,
es zum Klingen,
Glück in mir
zum Schwingen bringt.

(Vortrag der Schauspielerin Julia Stemberger i.R.d. Literaturmatinée Lampalzer Literaturforum 2019)