Lyrik

Sanduhrentraum

Die Sanduhr des Lebens schon reichlich gefüllt
habe ich mich als Ufer gesetzt.
Ich bin alt, doch Gedanken, von Wellen umspült,
sind jung und sterben zuletzt.

So wie das Meer ist, wild und unbändig
von menschlicher Hand nicht zu lenken
so ist auch die Kraft der Liebe lebendig
und sei es auch nur mehr im Denken.

Ich könnte noch all deine Stellen benennen
wo ich dich so gerne berührte
Du würdest mich an meinem Lachen erkennen
mit dem ich dich damals verführte.

Ich träumte sanft von der Haut deiner Hände
wie von Karamelbutterkuchen
und dass ich dich zwischen den Muscheln hier fände,
würd’ ich nur lang genug suchen.

Das Abendrot schloss auf blutrote Weise
den Tag, bis man schließlich mich fand –
und aus meinen Finger rieselte leise
wie aus einer Sanduhr der Sand.

Veröffentlichung im Lyrikband „Mein wilder Traum gegen die Zeit“, Elif Verlag, 2013

Januarkrähen

In meinen Armen
trage ich das Gelb
und pflanze es in Reihen.
Noch ist es tot
doch ich schüttle es
damit es wogt.
Mit einem Pinsel male ich
das Blau in meine Gedanken
schwer fallen die Stunden
aus den Hufen der Zeit.
Das Licht schläft hinter der Decke.
Über kahles Feld hüpfen Zweifel
hinkende Krähen lachen mich aus.
Ich habe ein Pferd gestohlen, schon als Kind
versteckte ich es in meiner Tasche.
Das Licht schläft noch hinter der Decke
doch ich muss es nicht sehen.
Ich halte mein Ohr zu den Stunden
und höre gebannt, wie es rauscht.

Oktober

das Haus riecht fremd
die Heizung war zu lange kalt
die Luft beißt dir
wie grobes Holz in deine Hand
halte still
jetzt wird der Sommer alt
tanzen keine Schatten
mehr an deiner Wand
nur das Klappern
alter Fensterläden
tönt durchs Haus
und bewahrt uns vor dem Reden

6.Platz art.experience 2017, Lyrikwettbewerb zeilen.lauf

Spätsommer

Sie will es noch einmal wissen,
die Spätsommerhitze;
hat ihr rotes Kleid angezogen
und Strümpfe aus Spinnwebenspitze.

Sie will die Sonne noch halten
mit goldenen Farben;
geborgt von den Wiesen, den hohen
und Feldern mit Strohblumengarben.

Sie ordnet die Blumen beharrlich:
Leuchtende Reihen;
als ob all die Farben des Sommers
wie sie nie verwandelbar seien.

Doch manchmal des Nachts ruft ein Vogel
mit leiser und rauer
Stimme aus tiefdunklem Walde –
dann packt sie ein silberner Schauer.

Doch kaum kommt der Morgen, verglüht sie,
die Ahnung, und weicht –
sie will noch ein klein wenig tanzen,
bis der Herbstwind die Hände ihr reicht.

Nominierung art.experience 2013, Veröffentlichung in der Valentinstags-Broschüre Meerbusch, „Alles Liebe in Meerbusch“)